Die wichtigsten mechanischen Werkstäten Deutschlands und ihre Bedeutung für den Geodätischen Instrumentenbau

 

 Die Werkstatt von Georg Reichenbach

 

Im alter von 30 Jahren gründet Reichenbach zusammen mit dem Uhrmacher Liebherr in München eine mechanische Werkstatt, nachdem er sich unter anderem auch in England gründliche Kenntnisse in der Mechanik und der Mathematik angeeignet hatte.

 

Das allererste Werk seiner Werkstatt war der Bau einer großen Teilmaschine, nach seinem Luftteilungsprinzip.

Die um diese Zeit aufkommende Vermessung Bayerns veranlasste eine rege Nachfrage an geodätischen Instrumenten, was dem Institut von Reichenbach zuträglich war.

 

1804   trat Utz Schneider per Gesellschaftsvertrag in das junge Unternehmen ein. Dieser holte die besten damaligen Fachkräfte in das Unternehmen.

 

1814   Institut zur Anfertigung mathematischer und astronomischer Instrumente

Reichenbach verlässt die Verbindungen mit Utz Schneider und Liebherr

und gründet mit Ertel ein neues Institut.

 

Von da an war Reichenbach schon nicht mehr in dem Umfange für den geodätischen Instrumentenbau tätig, wie vorher (28). [1]

  

 

         Reichenbachs Name ist auf das innigste mit Instrumenten

wie Meridiankreise, Passageinstrumente, Äquatoriale, Theodolite, Nivillierinstrumente u.s.w. verknüpft. Am Aufbau aller dieser Instrumente hat er wesentliches verbessert oder neu gestaltet.

 

In Bauernfeind's Vermessungskunde wird auch die Einführung des Dreifusses mit Stellschrauben für Reichenbach in Anspruch genommen, doch wie es scheint, zu Unrecht, da schon Ramsdens Theodolite und auch jene von Brander und Hoeschel Dreifüße aufweisen.  (12, S.29u.32)[2]

 

Reichenbachs vielseitiges mechanisches Talent beschränkt sich nicht nur auf Geodätisch-astronomische Geräte, sondern auf weite Teile der mechanischen Technik, So baute er u.a. eine Wassersäulenmaschine für die Sohlenleitung in Reichenhall, war bei der Errichtung von Lehr- und Brunnenwerken tätig, ebenso in der Geschützgießerei und auch beim Wasserbau und auch in der Fluss-Schifffahrt hat erwertvolles geleistet.

(Hinweise auf diese Gebiete seiner Tätigkeit finden sich u.a. mit vielen Veröffentlichungen in "Dinglers Polytechnisches Journal" ab 1820)

  

 

 

 Die Werkstatt Traugot Lebrecht Ertel

 

Traugot Lebrecht Ertel wurde 1778 geboren und ist 1858 gestorben.

Eintritt als Gehilfe in Reichenbachs Firma 1814. 1815 als Teilhaber.

Von 1815 an nennt sich die Firma Reichenbach & Ertel.

 

Nachdem Reichenbach ganz in den bayrischen Staatsdienst übergetreten                 war, leitete Traugott Ertel allein die Reichenbachsche Werkstatt weiter.

 

Auch T.Ertel fertigt nicht nur geodetisch-astronomische Instrumente wie Passage-Instrumente, Repetitionstheodolite, NivillierInstrumente, Spiegelkreise u.s.w., sondern auch mit seiner inzwischen 100 Arbeiter starken Belegschaft, Kraft- und Arbeitsmaschinen, Pumpen und hydraulische Pressen (28)[1].

 

 

Nach Reichenbachs Tot (fast Zeitgleich mit den Tot von Frauenhofer) führt Ertel die Fa. allein weiter. Firmennahme: Traugot Ertel

 

Mit den Theodoliten von 12, 8 und 5 Zoll Grundkreisdurchmesser wurde zum ersten Male eine gut ausgewogene Klasseneinteilung für Theodolite nach der erreichbaren Genauigkeit geschaffen. Der 12-zöllige lieferte bei 10' Teilung und 4 Nonien 10 Sekunden Ablesegenauigkeit.

 

 

 

1834 Tritt dann sein Sohn Georg (1813-1863) in die Firma ein.Von da an nennt sich die Firma Ertel & Sohn.

 

1858 Nach T.L. Ertels Tot führt der Sohn Georg Ertel die Firma weiter. Der Nahme bleibt.

 

 

Bilder eines Allignierinstrumentes von Ertel ~1865

Eigene Fotos 

 

Georg Ertel schuf viele neue Konstrucktionen. Darunterauch der Messtisch und der Tachymetertheodolit. (Quelle: [3]

 

Ihm folgte sein Bruder Gustav Ertel, der 1875 starb.

Von da an wurde die Werkstatt mit fremder Hilfe durch August Dietz bis 1890 für den einzigen noch lebenden Enkel des Begründers des Institutes geleitet.

August Ditz trat schon 1866 als Angestellter in die Firma Ertel ein. 1890 Übernimmt er den Besitz der Firma. Etr führt aber den Nahmen der Firma zunächst weiter.

Es werden danach aber haubtsächlich nur noch Geräte und Instrumente für den Millitärischen gebrauch gefertigt.

 

 

Leben und Werk von Ertel im Internet : 

https://www.deutsche-biographie.de/pnd116568372.html#adbcontent

 

Fußnote

[1] 28. LÖWENHERZ, DR. L.:

Zur Geschichte der Entwicklung der mechanischen Kunst/ IV Die wichtigsten mechanischer Werkstätten Deutschlands,' Zfl, Bd. 6 (1886) S. 405 -27 Lit. Hinweise-

 

[2] 12. ENGELSBERGER, MAX: Beitrag zur Entwicklungsgeschichte des

Theodoliten, Reihe C Dissertationen, Heft 134 Deutsche Geodät. Kommission bei der Bayrisch* Akademie der Wissenschaften, München 1969

 

 [3] Handbuch zur Geschichte der Optik.

  Das XIX. Jahrhundert Teil 2     J.P. Wayenborn 1983

 

Aktualisiert am 08.10.2017